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Was ist ein Milchstreik?
Milchstreiks anno dazumal
Milchstreiks sind in Europa kein neues Thema. In der französischen
Schweiz hat zum Beispiel eine Vorgängerorganisation der Uniterre,
die URA, in den 1950er Jahren einen Milchstreik ausgerufen: Anfang des
Jahres 1947 hatte sich der Bundesrat geweigert, die Union romande des
agriculteurs (URA) zu Gesprächen über den Milchpreis zu empfangen.
Daraufhin streikten die Milchbauern zwei Tage lang. Der Streik wurde durch
Milchlieferungen aus der Deutschschweiz unterlaufen.
Muss ein Milchstreik wirklich sein?
Ein Milchstreik ist kein Unterfangen, an das sich die Milchproduzenten
einfach so heranwagen. Der Milchstreik (Milchlieferboykott) ist die ultima
ratio, die letzte Lösung, wenn Verhandlungen für einen mindestens
kostendeckenden Preis scheitern. Die Grundidee des Milchstreiks ist, dass
die Rohstoffversorgung der milchverarbeitenden Industrie gestört
wird, weil die Milchproduzenten ihre Milch nicht abliefern, sondern anderweitig
verwerten.
Gegen wen richtet sich der Milchstreik?
Ein Milchstreik richtet sich gegen Milchkäufer, die Preise drücken.
Wenn die Milchproduzenten in der Schweiz gezwungen sind, ihre Milchproduktion
quer zu finanzieren, weil die Produktionskosten durch den Milchpreis nicht
gedeckt sind, leidet darunter die Familie, weil zuwenig Zeit für
sie bleibt. Auch dem Tierwohl bekommt der brutale Preisdruck nicht: Ein
Bauer, der ständig am Anschlag ist, verbringt zu wenig Zeit bei seinen
Kühen. Dies wirkt sich negativ auf das Tierwohl aus.
Alles oder nichts?
Die beste Möglichkeit, etwas nicht tun zu müssen, ist, das Ziel
eines Unterfangens so hoch anzusetzen, dass einem schon beim Gedanken
daran der Mut ausgeht. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass die Milchkäufer,
die uns auch in Zukunft gerne auspressen möchten, gerne betonen,
dass bei einem Streik ALLE Bauern mitmachen müssten...
Grundsätzlich gilt: je mehr desto besser. Aber auch wenn nicht alle
Milcherzeuger mitmachen, kann ein Boykott durchaus erfolgreich sein. Wichtig
ist, dass das anvisierte Ziel erreicht wird. Dieses Ziel lautet: Den Milchkäufern
klar zu machen, dass wir Milchproduzenten nicht mehr bereit sind, unsere
Milch zu einem Schleuderpreis zu verkaufen.
Im übrigen gilt: Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft,
hat schon verloren.
Wer profitiert von einem kostendeckenden Milchpreis?
Ein kostendeckender Milchpreis nützt in erster Linien den Konsumenten:
Sie haben Gewähr, dass die Milch, die sie täglich zu sich nehmen,
unter sozialen, tiergerechten und ökologischen Bedingungen gewonnen
wird.
Ein Milchstreik gibt den Konsumenten die Möglichkeit zu erkennen,
dass Tierwohl, Milchqualität und soziale Standards in der Landwirtschaft
direkt mit dem Milchpreis zusammenhängen.
Auf die Milch muss der Konsument auch während eines Streiks nicht
verzichten, sie wird ihm auf den Streikbetrieben während des Milchstreiks
gratis abgegeben.
Was kostet der Milchstreik die Milchbauern?
Fünf Tage Lieferstopp sind 1 Siebzigstel von einem Jahr. Man verliert
also ein Siebzigstel des Milchgeldes
1 Rappen ist ein Siebzigstel unseres Milchpreises. Steigt der Milchpreis
nur um einen Rappen, dann sind diese fünf Tage Milchgeld wieder drin.
Sollte der Milchpreis als Folge des europäischen Lieferstopps jedoch
um drei Rappen steigen, so entspricht das bereits dem Milchgeld von 15
Tagen Lieferstopp!
Hier auch gleich noch das Rechenbeispiel der Deutschen Milchbauern:
Für 1 Tag Lieferstopp ist bei einem Ausgangspreis von 30 Cent und
einer Preissteigerung um 13 Cent auf 43 Cent/kg Milch das investierte
Geld in 2,3 Tagen zurückverdient.
Nach dem 5. Lieferstopp-Tag ist bei einer Preissteigerung um 13 Cent
das investierte Geld in 11,5 Tagen zurück.
Das bedeutet, dass selbst bei 10 Tagen Lieferstopp das investierte Geld
noch im Juni zurückverdient wird.
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BIG-M, die Bäuerliche Interessen-Gruppe
für Marktkampf
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